Книги ремарка на немецком языке

Ремарк Эрих Мария:
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Liebe deinen Nächsten / Возлюби ближнего своего. Книга для чтения на немецком языке [litres]

Эрих Мария Ремарк (1898–1970) – знаменитый немецкий писатель. В его романах запечатлены антифашизм и социальная критика с гуманистических…

  • Admin
  • 21 Авг 23

Der Himmel kennt keine GГјnstlinge

Zwei ungewöhnliche Menschen versuchen, für kurze Zeit einen Ausnahmezustand des Glücks zu verwirklichen. Der alternde Rennfahrer Clerfayt lernt in einem Schweizer Lungen-Sanatorium Lillian Dunkerque, eine junge, todkranke…

  • Admin
  • 10 Мар 13

Schatten im Paradies

Язык: немецкий

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Der Ich-Erzähler ist ein deutscher Journalist namens Robert Ross. Mit falschen Papieren ist er aus Deutschland vor den Nazis geflohen. Seine Flucht führte ihn über Lissabon, bis nach New York und Hollywood, wo er nun versucht ein…

  • Admin
  • 7 Дек 12

Der Weg zurück

Язык: немецкий

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In den Schützengräben an der Westfront erleben Ernst Birkenholz, der Ich-Erzähler, und seine Kameraden das Ende des Ersten Weltkriegs, worauf sie sich auf den Weg nach Hause machen. Dort angekommen, müssen sie feststellen, dass…

  • Admin
  • 7 Дек 12

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  • 4 Окт 12

Liebe Deinen Nächsten

Язык: немецкий

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  • 4 Окт 12

Im Westen nichts Neues

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  • 2 Май 12

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  • 2 Май 12

Arc de Triomphe

Роман немецкого писателя Э.М. Ремарка «Триумфальная арка» рассказывает о судьбе и переживаниях талантливого немецкого врача и…

  • Admin
  • 3 Апр 12

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текст

Объем 440 страниц

2017 год

16+

текст

Подарите скидку 10%

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О книге

Эрих Мария Ремарк (1898–1970) – знаменитый немецкий писатель. В его романах запечатлены антифашизм и социальная критика с гуманистических позиций, стремление «потерянного поколения» найти опору в дружбе, фронтовом товариществе и любви.
«Возлюби ближнего своего» (1940) – это роман о немецких эмигрантах, вынужденных скитаться по предвоенной Европе. Они скрываются, голодают, тайком пересекают границы, многие их родные и близкие в концлагерях. Потеряв родину и привычный уклад жизни, подвергаясь смертельной опасности, герои все же находят в себе силы для сострадания и любви.
В книге представлен неадаптированный текст на языке оригинала, снабженный словарем и комментариями. Адресована студентам языковых вузов и всем интересующимся немецким языком.

Жанры и теги

Kern fuhr mit einem Ruck aus schwarzem, brodelndem Schlaf empor und lauschte. Er war, wie alle Gehetzten, sofort ganz wach, gespannt und ber…

Описание книги

Эрих Мария Ремарк (1898–1970) – знаменитый немецкий писатель. В его романах запечатлены антифашизм и социальная критика с гуманистических позиций, стремление «потерянного поколения» найти опору в дружбе, фронтовом товариществе и любви.

«Возлюби ближнего своего» (1940) – это роман о немецких эмигрантах, вынужденных скитаться по предвоенной Европе. Они скрываются, голодают, тайком пересекают границы, многие их родные и близкие в концлагерях. Потеряв родину и привычный уклад жизни, подвергаясь смертельной опасности, герои все же находят в себе силы для сострадания и любви.

В книге представлен неадаптированный текст на языке оригинала, снабженный словарем и комментариями. Адресована студентам языковых вузов и всем интересующимся немецким языком.

Книга Эрих Марии Ремарк «Liebe deinen Nächsten / Возлюби ближнего своего. Книга для чтения на немецком языке» — скачать в fb2, txt, epub, pdf или читать онлайн. Оставляйте комментарии и отзывы, голосуйте за понравившиеся.

Возрастное ограничение:

16+

Дата выхода на Литрес:

09 октября 2018

Последнее обновление:

2017

Объем:

440 стр. 1 иллюстрация

«Триумфальная арка» на немецком с параллельным переводом

«Триумфальная арка» — роман Эриха Марии Ремарка, опубликованный в 1945 году. Главный герой, Равик, по специализации является врачом. Он живет в Париже без документов. Постоянно находясь под угрозой ареста, он не желает возвращаться в нацистскую Германию. Но и в эти страшные времена случается любовь. Так и Равик познакомился с актрисой Жоан Маду. Но будет ли финал их истории счастливым?

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Heaven Has No Favorites is a novel by the German writer Erich Maria Remarque. This novel is a story about passion and love, set in 1948 with a background of automobile racing. Inspired by racing driver Alfonso de Portago in German

Addeddate
2018-08-12 08:06:15
Identifier
RemarqueErichMariaDerHimmelKenntKeineGnstlinge
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ark:/13960/t3hx8g94c
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Комментарии и словарь Л. М. Бузиновой

Впервые опубликовано на немецком языке как “Liebe deinen Nächsten” von Erich Maria Remarque

© Erich Maria Remarque,1941

© Kiepenheuer&Witsch, 1978, 1991, 1998

© Издательско-полиграфический центр КАРО, 2011

Erster Teil

Man braucht ein starkes Herz, um ohne Wurzel zu leben —

1

Kern fuhr mit einem Ruck aus schwarzem, brodelndem Schlaf empor und lauschte. Er war, wie alle Gehetzten, sofort ganz wach, gespannt und bereit zur Flucht. Während er unbeweglich, den schmalen Körper schräg vorgeneigt, im Bette saß, überlegte er, wie er entkommen könnte, wenn der Aufgang schon besetzt wäre.

Das Zimmer lag im vierten Stock. Es hatte ein Fenster nach der Hofseite, aber keinen Balkon und kein Gesims, von denen aus die Dachrinne zu erreichen gewesen wäre. Nach dem Hofe zu war eine Flucht also unmöglich. Es gab nur noch einen Weg: über den Korridor zum Dachboden und über das Dach hinweg zum nächsten Hause.

Kern sah auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr. Es war kurz nach fünf. Das Zimmer war noch fast finster. Grau und undeutlich schimmerten die Laken der beiden anderen Betten durch die Dunkelheit. Der Pole, der an der Wand schlief, schnarchte.

Vorsichtig glitt Kern aus dem Bett und schlich zur Tür. Im selben Augenblick rührte sich der Mann, der im mittleren Bette lag. „Ist was los?“ flüsterte er.

Kern gab keine Antwort; er hielt das Ohr an die Tür gepresst.

Der andere richtete sich auf. Er wühlte in den Sachen, die am Pfosten des eisernen Bettgestells hingen. Eine Taschenlampe blitzte auf und fing in ihrem fahlen, zitternden Lichtkreis ein Stück der braunen, abgeblätterten Tür und die Gestalt Kerns, der mit wirrem Haar und zerdrücktem Unterzeug am Schlüsselloch lauschte.

„Verdammt, sag, was los ist!“ zischte der Mann im Bett.

Kern richtete sich auf. „Ich weiß nicht. Bin aufgewacht, weil ich irgendwas gehört habe.

„Irgendwas! Was irgendwas, du Dummkopf?“

„Irgendwas unten. Stimmen, Schritte oder so was.“

Der Mann stand auf und kam zur Tür. Er hatte ein gelbliches Hemd an, unter dem im Schein der Taschenlampe ein Paar stark behaarte, muskulöse Beine hervorkamen. Er horchte eine Weile. „Wie lange wohnst du schon hier?“ fragte er dann.

„Zwei Monate.“

„War in der Zeit schon mal ’ne Razzia?“

Kern schüttelte den Kopf.

„Aha! Wirst dich dann wohl verhört haben. Ein Furz im Schlaf klingt ja manchmal wie ein Donnerschlag.“

Er leuchtete Kern ins Gesicht. „Na ja, knapp zwanzig, was? Emigrant?“

„Natürlich.“

„Jesus Christus tso siem stalo…“ gurgelte plötzlich der Pole in der Ecke.

Der Mann im Hemd ließ den Lichtkreis hinüberwandern. Ein schwarzes Bartgestrüpp mit aufgerissener Mundhöhle und aufgerissenen Augen unter buschigen Brauen tauchte aus dem Dunkel auf.

„Halt’s Maul[1] mit deinem Jesu Christo, Polack“, knurrte der Mann mit der Taschenlampe. „Der lebt nicht mehr. Ist als Kriegsfreiwilliger an der Somme[2]gefallen.“

„Tso?“

„Da ist es wieder!“ Kern sprang zum Bett. „Sie kommen von unten! Wir müssen übers Dach!“

Der andere drehte sich wie ein Kreisel. Man hörte Türen klappen und gedämpfte Stimmen. „Verflucht! ’raus! Polski, ’raus! Polizei!“

Er riss seine Sachen vom Bett. „Weißt du den Weg?“ fragte er Kern.

„Ja. Rechts, den Korridor entlang! Die Treppe hinter dem Ausguss ’rauf!“

„Los!“ Der Mann im Hemd öffnete lautlos die Tür.

„Matka boska!“ gurgelte der Pole.

„Halt’s Maul! Verrat nichts!“

Der Mann zog die Tür zu. Kern und er huschten den schmalen, schmutzigen Korridor entlang. Sie liefen so leise, dass sie den schlecht zugedrehten Wasserhahn über dem Ausguss tröpfeln hörten.

„Hier ’rum!“ flüsterte Kern, bog um die Ecke und rannte gegen etwas. Er taumelte, sah eine Uniform und wollte zurück.

Im gleichen Augenblick bekam er einen Schlag auf den Arm. „Stehenbleiben! Hände hoch!“ kommandierte jemand aus dem Dunkel.

Kern ließ seine Sachen zu Boden rutschen. Sein linker Arm war taub von dem Schlag, der den Ellenbogen getroffen hatte. Der Mann im Hemd sah eine Sekunde lang so aus, als wolle er sich in das Dunkel auf die Stimme stürzen. Aber dann blickte er auf den Lauf des Revolvers, der ihm von einem zweiten Beamten gegen die Brust gehalten wurde, und hob langsam die Arme.

„Umdrehen!“ kommandierte die Stimme. „Ans Fenster stellen!“

Die beiden gehorchten.

„Sieh nach, was in den Taschen ist“, sagte der Polizist mit dem Revolver.

Der zweite Beamte untersuchte die Kleider, die auf dem Boden lagen. „Fünfunddreißig Schilling[3] – eine Taschenlampe – eine Pfeife – ein Taschenmesser – ein Lauskamm – sonst nichts…“

„Keine Papiere?“

„Paar Briefe oder so was…“

„Keine Pässe?“

„Nein.“

„Wo habt ihr eure Pässe?“ fragte der Polizist mit dem Revolver.

„Ich habe keinen“, erwiderte Kern.

„Natürlich!“ Der Polizist stieß dem Mann im Hemd den Revolver in den Rücken. „Und du? Muss man dich extra fragen, du Hurenbankert?[4]“ sagte er.

Die beiden Polizisten sahen sich an. Der ohne Revolver fing an zu lachen. Der andere leckte sich die Lippen. „Ah, da schau her, ein feiner Herr!“ sagte er langsam. „Exzellenz, der Stromer! General Stinktier!“ Er holte plötzlich aus und schlug dem Mann die Faust gegen das Kinn. „Hände hoch!“ brüllte er, als der andere taumelte.

Der Mann sah ihn an. Kern glaubte noch nie einen solchen Blick gesehen zu haben. „Dich meine ich, du Scheißer![5]“ sagte der Polizist. „Wird’s bald? Oder soll ich dir dein Gehirn noch einmal aufschütteln?“

„Ich habe keinen Pass“, sagte der Mann.

„Ich habe keinen Pass“, äffte der Polizist nach. „Natürlich, Herr Hurenbankert hat keinen Pass. Konnte man sich ja wohl denken! Los, anziehen, aber flott!“

Eine Gruppe Polizisten lief den Korridor entlang. Sie rissen die Türen auf. Einer mit Schulterstücken kam heran. „Was habt ihr denn da?“

„Zwei Vögel, die übers Dach verduften wollten.“ Der Offizier betrachtete die beiden. Er war jung.

Sein Gesicht war schmal und blass. Er trug einen sorgfältig gestutzten, kleinen Schnurrbart und roch nach Toilettewasser. Kern erkannte es; es war Eau de Cologne 4711. Sein Vater hatte eine Parfümfabrik gehabt, daher wusste er so etwas.

„Die beiden werden wir uns besonders vornehmen“, sagte der Offizier. „Handschellen!“

„Ist es der Wiener Polizei erlaubt, bei Verhaftungen zu schlagen?“ fragte der Mann im Hemd.

Der Offizier sah auf. „Wie heißen Sie?“

„Steiner. Josef Steiner.“

„Er hat keinen Pass und hat uns bedroht“, erklärte der Polizist mit dem Revolver.

„Es ist noch viel mehr erlaubt, als Sie denken“, sagte der Offizier kurz.

„Marsch, ’runter!“

Die beiden zogen sich an. Der Polizist holte Handschellen hervor. „Kommt, ihr Lieblinge! So, jetzt seht ihr schon besser aus. Passen wie nach Maß.“

Kern spürte den Stahl kühl an seinen Gelenken. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er gefesselt wurde. Die Stahlreifen hinderten ihn beim Gehen nicht sehr. Aber ihm schien, als fesselten sie mehr als nur seine Hände.

Draußen war es früher Morgen. Vor dem Hause hielten zwei Polizeiautos. Steiner verzog das Gesicht. „Begräbnis erster Klasse! Nobel, was, Kleiner?“

Kern antwortete nicht. Er versteckte die Handschellen, so gut es ging, unter seinem Rock. Ein paar Milchkutscher standen neugierig auf der Straße. Gegenüber in den Häusern waren Fenster offen. Gesichter schimmerten wie Teig aus den dunklen Öffnungen. Eine Frau kicherte.

Ungefähr dreißig Verhaftete wurden auf die Wagen gebracht. Es waren offene Polizeiflitzer[6]. Die meisten der Leute stiegen ohne ein Wort hinauf. Auch die Besitzerin des Hauses war darunter, eine dicke, hellblonde Frau von etwa fünfzig Jahren. Sie war die einzige, die erregt protestierte. Seit einigen Monaten hatte sie zwei leerstehende Etagen ihres baufälligen Hauses auf billigste Weise in eine Art Pension verwandelt. Es hatte sich bald herumgesprochen, dass man dort schwarz schlafen konnte, ohne bei der Polizei gemeldet zu werden. Die Frau hatte nur vier richtige Mieter mit polizeilicher Anmeldung – einen Hausdiener, einen Kammerjäger und zwei Huren. Die übrigen kamen abends, wenn es dunkel wurde. Fast alle waren Emigranten und Flüchtlinge aus Deutschland, Polen, Russland und Italien.

„Los, los!“ sagte der Offizier zu der Vermieterin. „Sie können das alles auf der Wache erklären. Da haben Sie Zeit genug dazu.“

„Ich protestiere!“ schrie die Frau.

„Protestieren können Sie, soviel Sie wollen. Vorläufig kommen Sie mit.“

Zwei Polizisten fassten die Frau unter die Arme und hoben sie auf den Wagen.

Der Offizier wandte sich zu Kern und Steiner. „So, jetzt diese beiden. Extra aufpassen auf sie.“

„Merci[7]“, sagte Steiner und stieg auf. Kern folgte ihm.

Die Autos fuhren los. „Auf Wiedersehen!“ kreischte eine Frauenstimme aus den Fenstern.

„Schlagt das Emigrantenpack tot!“ brüllte ein Mann hinterher. „Dann spart ihr das Futter.“

Die Polizeiautos fuhren ziemlich schnell, denn die Straßen waren noch fast leer. Der Himmel hinter den Häusern wich zurück, er wurde heller und weiter und durchsichtig blau, aber die Verhafteten standen dunkel auf den Wagen wie Weiden im Herbstregen. Ein paar Polizisten aßen belegte Brote. Sie tranken Kaffee aus flachen Blechflaschen.

In der Nähe der Aspernbrücke kreuzte ein Gemüseauto die Straße. Die Polizeiwagen bremsten und zogen dann wieder an. Im gleichen Augenblick kletterte einer der Verhafteten über den Rand des zweiten Wagens und sprang ab. Er fiel schräg auf den Kotflügel, verfing sich mit dem Mantel und schlug mit einem trockenen Knack auf das Pflaster.

„Anhalten! Hinterher!“ schrie der Führer. „Schießt, wenn er nicht stehenbleibt!“

Der Wagen bremste scharf. Die Polizisten sprangen herunter. Sie liefen zu der Stelle, wo der Mann hingefallen war. Der Chauffeur sah sich um. Als er bemerkte, dass der Mann nicht flüchtete, fuhr er den Wagen langsam zurück.

Der Mann lag auf dem Rücken. Er war mit dem Hinterkopf auf die Steine geschlagen. In seinem offenen Mantel lag er da, mit ausgebreiteten Armen und Beinen, wie eine große heruntergeklatschte Fledermaus.

„Bringt ihn ’rauf!“ rief der Offizier.

Die Polizisten bückten sich. Dann richtete sich einer auf. „Er muss sich was gebrochen haben. Kann nicht aufstehen.“

„Natürlich kann er aufstehen! Hebt ihn hoch!“

„Gebt ihm einen gehörigen Tritt, dann wird er schon munter“, sagte der Polizist, der Steiner geschlagen hatte, träge.

Der Mann stöhnte. „Er kann tatsächlich nicht aufstehen“, meldete der andere. „Blutet auch am Kopf.“

„Verflucht![114]“ Der Führer kletterte herunter. „Dass sich keiner von euch rührt!“ schrie er zu den Verhafteten hinauf. „Verdammte Bande! Nichts als Scherereien!“

Der Wagen stand jetzt dicht neben dem Verunglückten. Kern konnte ihn von oben genau sehen. Er kannte ihn. Es war ein schmächtiger polnischer Jude mit schütterem, grauem Bart. Er erinnerte sich deutlich des alten Mannes, wie er morgens in aller Frühe, die Gebetsriemen über den Schultern, am Fenster gestanden und gebetet hatte, während er den Körper leise hin- und herwiegte. Er hatte mit Garnrollen, Schnürriemen und Zwirn gehandelt und war schon dreimal aus Österreich ausgewiesen worden.

„Aufstehen! Los!“ kommandierte der Offizier. „Wozu springen Sie denn vom Wagen? Zuviel auf dem Kerbholz[8], wie? Gestohlen, und wer weiß was noch!“

Der alte Mann bewegte die Lippen. Seine Augen waren groß auf den Offizier gerichtet.

„Was?“ fragte der. „Hat er was gesagt?“

„Er sagt, es wäre aus Angst gewesen“, erwiderte der Polizist, der neben ihm kniete.

„Angst? Natürlich aus Angst! Weil er was ausgefressen hat! Was sagt er?“

„Er sagt, er hätte nichts ausgefressen.“

„Das sagt jeder. Aber was machen wir jetzt mit ihm? Was hat er denn?“

„Man sollte einen Arzt holen“, sagte Steiner vom Wagen herab.

„Seien Sie ruhig!“ schnauzte der Offizier nervös. „Wo soll man denn um diese Zeit einen Arzt herkriegen? Er kann doch nicht solange auf der Straße liegen. Nachher heißt es dann wieder, wir hätten ihn so zugerichtet. Geht ja immer alles auf die Polizei!“

„Er gehört ins Krankenhaus“, sagte Steiner. „Sogar schnell!“

Der Offizier war verwirrt. Er sah jetzt, dass der Mann schwer verletzt war und vergaß darüber, Steiner den Mund zu verbieten.

„Krankenhaus! Da nehmen sie ihn doch – nicht einfach so auf. Dazu braucht er doch einen Überweisungsschein. Ich kann das auch gar nicht allein machen. Ich muss ihn erst zum Rapport bringen.“

„Bringen Sie ihn zum jüdischen Krankenhaus“, sagte Steiner. „Da nehmen sie ihn ohne Überweisungsschein und Rapport. Sogar ohne Geld.“

Der Offizier starrte ihn an. „Woher wissen Sie denn das, Sie?“

„Man sollte ihn zur Rettungsgesellschaft bringen“, schlug einer der Polizisten vor. „Da ist immer ein Sanitäter oder ein Arzt. Die könnten dann weitersehen. Damit wären wir ihn auch los.“

Der Offizier hatte seinen Entschluss gefasst. „Gut, hebt ihn auf! Wir fahren bei der Rettungswache vorbei. Dann bleibt einer mit ihm da. Verdammte Schweinerei!“

Die Polizisten hoben den Mann hoch. Er stöhnte und wurde sehr blass. Sie legten ihn auf den Boden des Wagens. Er zuckte und öffnete die Augen. Sie glänzten unnatürlich in dem verfallenen Gesicht. Der Offizier biss sich auf die Lippen. „So ein Blödsinn! ’runterspringen, solch ein alter Mann! Los, langsam fahren!“

Unter dem Kopf des Verletzten bildete sich langsam eine Blutlache. Die knotigen Finger scharrten über das Bodenholz des Wagens. Die Lippen zogen sich allmählich von den Zähnen zurück und gaben sie frei. Es sah aus, als lache hinter der geisterhaft verschatteten Maske des Schmerzes jemand anders lautlos und voll Hohn.

„Was sagt er?“ fragte der Offizier.

Der Polizist von vorher kniete wieder neben den Alten hin und hielt ihm beim Rattern des Wagens den Kopf fest. „Er sagt, er hätte zu seinen Kindern gewollt. Sie müsste jetzt verhungern“, berichtete er.

„Ach, Unsinn! Werden nicht verhungern. Wo sind sie denn?“

Der Polizist beugte sich herunter. „Er will es nicht sagen. Sie würden dann ausgewiesen. Hätten alle keine Aufenthaltserlaubnis.“

„Das sind doch Phantasien. Was sagt er jetzt?“

„Er sagt, Sie möchten ihm verzeihen.“

„Was?“ fragte der Offizier erstaunt.

„Er sagt, Sie möchten ihm verzeihen wegen der Scherereien, die er macht.“

„Verzeihen? Was soll denn das nun wieder?“ Kopfschüttelnd starrte der Offizier den Mann am Boden an.

Der Wagen hielt vor der Rettungswache. „Tragt ihn ’rein!“ kommandierte der Offizier. „Aber vorsichtig. Und Sie, Rohde, bleiben bei ihm, bis ich telefoniere.“

Sie hoben den Verunglückten hoch. Steiner bückte sich. „Wir finden deine Kinder. Wir werden ihnen helfen“, sagte er. „Verstehst du, Alter?“

Der Jude schloss die Augen und öffnete sie wieder. Dann trugen ihn drei Polizisten in das Haus. Seine Arme hingen herunter und schleiften widerstandslos über das Pflaster, als wären sie schon ohne Leben. Nach einiger Zeit kamen zwei Polizisten zurück und stiegen wieder auf. „Hat er noch etwas gesagt?“ fragte der Offizier.

„Nein. Er war schon ganz grün im Gesicht. Wenn’s die Wirbelsäule ist, macht er’s nicht mehr lange.“

„Na ja, halt ein Jud weniger“, sagte der Polizist, der Steiner geschlagen hatte.

„Verzeihen“, murmelte der Offizier. „So was! Komische Menschen…“

„Besonders in diesen Zeiten“, sagte Steiner.

Der Offizier straffte sich. „Halten Sie’s Maul gefälligst, Sie Bolschewist!“ brüllte er. „Ihnen werden wir Ihre Frechheiten schon austreiben!“

Man brachte die Verhafteten zur Polizeistation an der Elisabethpromenade. Steiner und Kern wurden die Handschellen abgenommen, dann kamen sie zu den andern in einen großen, halbdunklen Raum. Die meisten saßen schweigend herum. Sie waren gewohnt zu warten. Nur die dicke blonde Wirtin lamentierte unentwegt weiter.

Gegen neun Uhr wurde einer nach dem andern heraufgeholt. Kern wurde in ein Zimmer geführt, in dem sich zwei Polizisten, ein Schreiber in Zivil, der Offizier und ein älterer Polizeioberkommissär befanden. Der Oberkommissar saß in einem hölzernen Sessel und rauchte Zigaretten. „Personalien“, sagte er zu dem Mann am Tisch.

Der Schreiber war ein schmaler, pickliger Mensch, der an einen Hering erinnerte. „Name?“ fragte er mit einer überraschend tiefen Stimme.

„Ludwig Kern.“

„Geboren?“

„30. November 1914 in Dresden.“

„Also Deutscher?“

„Nein. Staatenlos. Ausgebürgert.“

Der Oberkommissär blickte auf. „Mit einundzwanzig? Was haben’s denn angestellt?“

„Nichts. Mein Vater ist ausgebürgert worden. Da ich damals minderjährig war, ich auch.“

„Und weshalb Ihr Vater?“

Kern schwieg einen Augenblick. Ein Jahr Emigration hatte ihn Vorsicht mit jedem Wort bei Behörden gelehrt. „Er wurde zu Unrecht als politisch unzuverlässig denunziert“, sagte er schließlich.

„Jude?“ fragte der Schreiber.

„Mein Vater. Meine Mutter nicht.“

„Aha!“

Der Oberkommissär schnippte die Asche seiner Zigarette auf den Boden. „Warum sind Sie denn nicht in Deutschland geblieben?“

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